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Foto: Mädchen lachend in Sierre Leone - Link zum Spendenformular

Fotos: Eine Frau bei der Zubereitung von Gari und eine Frau beim Kochen

Sierra Leone ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt. Rund 44% der Bevölkerung haben keinen ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln und 53% leben sogar von weniger als 1,25 USD am Tag. Die Landwirtschaft ist Sierra Leones wichtigste Einnahmequelle. Jedoch ist die Produktivität stark eingeschränkt.

Vielerorts sind sehr ineffiziente, technische Mittel im Einsatz. Die Kleinbauern und –bäuerinnen haben meist nur wenig Kenntnisse von geeigneten landwirtschaftlichen Praktiken und keine finanziellen Mittel für Neuanschaffungen. Zudem gibt es nur unzureichende Lagermöglichkeiten. Dies führt zu hohen Verlusten (durchschnittlich 40%) nach der Ernte.  

Darüber hinaus ist Kinderarbeit weitverbreitet. Ca. 39% der Kinder im Alter von 5-14 Jahren müssen zum Einkommen der Familie beitragen und können die Schule nicht besuchen. Die Zukunftsperspektiven dieser Kinder, insbesondere die von Mädchen, sind wenig vielversprechend. Der Ausbruch von Ebola und der damit verbundene Zusammenbruch des Gesundheits- und Bildungssystems haben den Zustand drastisch verschlimmert.

An diese Ausgangssituation knüpft das gemeinsame Projekt von TERRA TECH und dem lokalen Partner Development Initiative Programme (DIP) an. In den Distrikten Bonthe, Bo, Pujehun und Kailahun werden wir einen Beitrag zur Reduktion von Armut und Analphabetismus leisten sowie die Ernährungssicherheit stärken. Das Projekt gliedert sich in drei Schwerpunkte.

Bildung
740 Schüler_innen erhalten Nachhilfeunterricht und weitere Förderungen. So werden sie besser auf die nationalen Prüfungen vorbereitet, um nach einem erfolgreichen Abschluss eine weiterführende Schule besuchen zu können. Daneben werden 240 Mädchen, zwischen 10 und 16 Jahren, zu „Peer Educators“ ausgebildet. Sie werden in den Bereichen sexuelle und reproduktive Gesundheit, HIV/AIDS, Teenagerschwangerschaften und Gewalterfahrungen von Mädchen aufgeklärt. Bei regelmäßigen Treffen können sie dieses Wissen an rund 12.000 Mädchen weitergeben. Außerdem erhalten 1.200 Mädchen, die aufgrund von Gewalterfahrungen und Teenagerschwangerschaften die Schule abgebrochen haben, psychosoziale Hilfe, um die Schule wieder zu besuchen und einen Abschluss zu erreichen.

Landwirtschaft
Etwa 40 bestehende oder neugegründete landwirtschaftliche Kooperativen werden mit geeigneter Ausrüstung (Werkzeugen, Saatgut und Setzlingen) ausgestattet. Damit können sich deren 1.500 Mitglieder besser auf klimatische Veränderungen einstellen und die Produktivität ihrer Felder erhöhen. Zusätzlich werden Trainings in angepassten Anbaumethoden (wechselnde Fruchtfolgen, keine Monokulturen, anderes Saatgut) und der Haltung von Nutztieren angeboten. Dies erhöht die Nahrungsmittelsicherheit, sowie das Einkommen der Zielgruppe. Mit dem Anbau unterschiedlicher Pflanzen (Mischkultur) wird gleichzeitig die Gefahr von Erosion, Schädlingsbefall und einseitiger Nährstoffverarmung der Böden verringert. Zudem werden die Verluste nach der Ernte gesenkt, indem zunächst vier Lagerhallen aufgebaut werden. Diese werden von neugegründeten Lagerkomitees betreut. Dazu erhalten 80 Personen (davon 30% Frauen) aus vier Gemeinden Schulungen im Lagermanagement. Zusätzlich werden die Lagerhallen mit Maschinen und Trockeneinheiten zur Weiterverarbeitung der Ernte ausgestattet. So werden die Lebensmittel länger haltbar und lassen sich besser lagern. In enger Kooperation mit dem Landwirtschaftsministerium wird in der Gemeinde Bo eine Modellfarm mit zwei Schweineställen sowie einem Hühnerstall aufgebaut. Hier finden zukünftig Schulungen zur Tierhaltung statt. Diese Schulungen werden auch für Teilnehmer_innen angeboten, die nicht zur eigentlichen Projektzielgruppe gehören.

Stärkung der Frauen
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Empowerment von Frauen. 50 Frauengruppen mit insgesamt 1.500 Mitgliedern sollen deren Partizipation im Gemeindeleben gefördert. Spezielle Mikrofinanzgruppen helfen dabei, sowohl das Sparvermögen als auch die landwirtschaftliche Produktion dieser Frauengruppen dauerhaft erhöhen.  

Zielgruppe
Direkt werden vom Projekt rund 17.000 Personen (darunter 60 % Frauen und Mädchen) profitieren, die direkt an den verschiedenen Schulungsmaßnahmen teilnehmen. Die indirekte Zielgruppe umfasst deutlich mehr Personen. Die gesamte Bevölkerung der Gemeinden (etwa 108.750 Personen) profitiert vom wirtschaftlichen Aufschwung, einem breiten Nahrungsmittelangebots und einer verbesserten Bildungssituation in der Region. Zusätzlich werden auf nationaler Ebene über die Radio- und Fernsehbeiträge weitere etwa 95.000 Personen mittels Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen erreicht.

Nachhaltigkeit    
Das Projekt wurde so geplant, dass sich mittelfristig alle Komponenten selbst finanzieren. Die landwirtschaftlichen Betriebe ziehen aus dem Saatgut, das ihnen zur Verfügung gestellt wurde, ihre eigenen Setzlinge. Diese verwenden sie einerseits selbst für die nächste Anbausaison, Überschüsse werden verkauft. Mit den Ernteerträgen und dem Verkauf von Setzlingen können mögliche Instandhaltungskosten finanziert werden. Die Lagerkomitees erheben geringe Lagerkosten, die für mögliche Reparaturen und Instandhaltung genutzt werden.
Die Modellfarm wird sich durch den Verkauf von tierischen Produkten sowie das Anbieten von Schulungen selbst tragen. Außerdem hat das Landwirtschaftsministerium angekündigt, dass es die Modellfarm regelmäßig für Schulungen seiner eigenen Mitarbeiter in Anspruch nehmen wird. Dies bedeutet sichere Mieteinnahmen für die Modellfarm.

 


Weitere Links zum Thema:

Sierra Leone - Ebola


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