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Foto: Mädchen lachend in Sierre Leone - Link zum Spendenformular

Foto: Collage mit Fotos von Patricia bei der Arbeit

Patricia ist 35 Jahre alt, sie lebt in Huajuapan de León im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca und arbeitet als Recyclerin am integrierten Zentrum für die Behandlung fester Rückstände (CITRESO). Sie ist Mutter von vier Kindern und hat an dem Projekt „Inklusives Recycling“ teilgenommen, welches die Anerkennung, Würde und Einbeziehung informaler Recycler_innen in kommunale Abfallwirtschaftssysteme fördert.

Das Projekt wird von der Gemeinde Huajuapan, einer Studierendengruppe der Mixteca Technological University, der mexikanischen Non-Profit-Organisation SiKanda und den Recycler_innen durchgeführt.

Informelle Recycler_innen in Huajuapan de León leben von der Trennung von Müll und dem Verkauf von Wertstoffen, die sie darin finden. Im Durchschnitt verdienen sie etwas mehr als 230 Euro pro Monat. Ihre Arbeitsbedingungen können schwierig sein. Patricia ist auch eine Sprecherin des Recycler_innen-Verbandes „CIEM Arcobaleno“, der ersten unabhängigen Organisation, die von informellen Recyclingunternehmen im Südwesten Mexikos gegründet wurde. Anlässlich des Internationalen Frauentages (8. März) und des Welttages der informellen Recycler_innen (1. März) haben wir mit Patricia über ihren Hintergrund und ihren Job gesprochen.

Woher kommen Sie?
Ich wurde in Mexiko-Stadt in Azcapotzalco Unidad el Rosario geboren, lebe aber seit 5 Jahren in Huajuapan, Oaxaca.

Wie ist das Leben in Huajuapan?
Anfangs war es sehr schwierig, weil ich keinen festen Job finden konnte. Jetzt sehe ich das Leben anders, ich mag es. Ich wohne im Haus meiner Eltern.

Als Sie zum ersten Mal nach Huajuapan kamen, wie haben Sie über die Menschen gedacht, die hier leben?
Ich finde, es gibt viel mehr Bildung als in der Stadt. Alle sagen „Hallo“, „guten Morgen“ und „guten Nachmittag“. Sie nennen Sie "Sir" oder "Lady". Es gibt viel Essen, was ich am meisten liebe! Die Leute, mit denen ich Kontakt hatte, sind sehr nett und respektvoll.

Erzählen Sie mir von Ihrer Arbeit.
Ich arbeite am CITRESO (Integrales Zentrum zur Behandlung fester Rückstände) in Huajuapan. Ich mache das seit vier Jahren und trenne die Materialien, die wiederverwertbar sind.

Was ist der CITRESO?
Es ist der Ort, an dem alle festen Abfälle in Huajuapan gesammelt werden, die städtische Mülldeponie.

Wie haben Sie diesen Job angefangen?
Das ist eigentlich eine traurige Geschichte. Ich bin immer noch nicht darüber hinweg. Vor vier Jahren wurde mein jüngster Sohn von einem Auto überfahren. Früher arbeitete ich als Kontrolleur_in für einen Taxistand. Da ich jedoch viel Zeit im Krankenhaus verbringen musste, verlor ich meinen Job, nachdem mein Kind entlassen wurde. Meine Schwester, die am CITRESO gearbeitet hatte, sagte mir, dass ich dort wahrscheinlich einen Job finden könnte. Also kam ich an einem Samstag hierher und bat um einen Job, und ich habe ihn bekommen. Meine Schwester hat mir den Job erklärt. Dieses Material kommt hierher, diese dorthin...

Was dachten Sie über diesen Job, bevor Sie hier angefangen haben?
Ich hatte absolut keine Ahnung von dem Prozess. Ich dachte, der Müll kommt einfach hierher und wird abgeladen und man muss nur PET und Karton herausnehmen. Erst als ich hier anfing zu arbeiten, sah ich die verschiedenen wiederverwertbaren Materialien.

Was mögen Sie am meisten an dem Job?
Ich mag die Arbeitsumgebung und die Arbeit mit meinen Kolleg_innen.

Wie ist die Arbeitsumgebung?
Da wir uns seit Jahren kennen, haben wir Spaß, wir lachen. Es ist nicht schwer. Wir haben viel Spaß. Zuerst kannte ich nur einige Leute hier, meine Schwester und andere, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte. Aber ich bin ziemlich gesellig!

Was mögen Sie am wenigsten an Ihrem Job?
Wenn wir Berge von Müll haben, durch die wir uns unter der Sonne durcharbeiten müssen. Das gefällt mir nicht.

Wann beginnen Sie morgens?
Ich wache um 5.30 Uhr auf, ziehe mich an, bereite meine Kinder auf die Schule vor und mache ihnen Mittagessen und Frühstück. Ich gehe um 6.30 Uhr von zu Hause weg und komme um 7 Uhr zum CITRESO, ziehe mich um und beginne zu arbeiten.

Welche Ausrüstung brauchen Sie?
Die Säcke, in denen ich Plastikflaschen, Karton und Hartplastik, transparentes Glas, Braunglas und grünes Glas sammle, einen Papiersack, einen für Dosen, einen für Aluminium und einen Schlauch, um durch den Müll zu kratzen.

Um wie viel Uhr kommen Sie raus?
Es gibt keine festgelegte Stunde. Wahrscheinlich um 14:30 Uhr. Ich habe keine Zeit, meine Kinder abzuholen. Wenn ich nach Hause komme, sind sie schon da.

Wie viele Kinder haben Sie?
Ich habe vier. Der jüngste ist sechs Jahre alt.

Erzählen Sie ihnen von Ihrem Job? Über das Recycling?
Früher habe ich sie zum CITRESO mitgenommen. Da ich niemanden hatte, der sich um sie kümmerte, musste ich den kleinsten mitnehmen. Wenn Sie ihn also fragen, was Aluminium oder PET-Kunststoff ist, weiß er es! Meine Töchter wissen auch, wir trennen Müll und bereiten Kompost vor.

In Ihrem Familienleben setzen Sie also auch die Aktivitäten um, die Sie bei der Arbeit machen?
Ja! Wenn wir zum Beispiel Limonade kaufen, trennen wir die Verpackungen und meine Kleinen wissen, wie der Müll zu trennen ist. Jeder im Haus weiß es. Vom jüngsten bis zum ältesten.

Was ist das Schwierigste an Ihrem Job?
Die Sonne, schwere Dinge in der sengenden Hitze ziehen zu müssen. In der Regenzeit Schlamm. Klima spielt eine wichtige Rolle.

Wie glauben Sie, dass Ihre Arbeit nach vier Jahren als Recycler_in zum Gemeinschaftsleben beiträgt?
Wir verschmutzen die Umwelt nicht so sehr. Ich konnte meinen Nachbarn nicht beibringen, wie sie richtig Müll trennen. Ich hasse es, wenn sie den Müll verbrennen. Es ist hier sehr verbreitet und sehr umweltbelastend.

Was machen Sie, wenn Sie sehen, wie Menschen Müll verbrennen?
Ich denke, die Leute sind sehr unbedacht. Ich möchte ihnen sagen, wie sie mit ihrem Müll umgehen sollen, aber ich weiß nicht, wie sie reagieren werden. Also vermeide ich diese Probleme, sie sagen mir "Was geht dich das an?". Ich würde gerne Unterricht darüber geben, was es mit der Umwelt macht, wenn sie den Müll verbrennen.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen als Recyclerin?
Den Menschen zu sagen, was wir tun. Den Menschen die Arbeit, die wir bei CITRESO leisten und die Arbeitsbedingungen, zu zeigen. Wir haben keine Schutzkleidung oder Handschuhe oder Stiefel. Wir brauchen Menschen, die unsere Arbeit anerkennen und helfen, die Bedingungen zu verbessern.

Welches Equipment benutzen Sie dann?
Manchmal finden wir was im Müll. Wir verwenden es wieder.

Im Jahr 2018 beteiligte sich Patricia als Vertreterin von CIEM Arcobaleno an dem Projekt „Polo por una Ciudadanía Participativa“, welches von Fundazione AVSI, SiKanda, SEPICJ und Centro Lindavista mit einer EU-Finanzierung in den Bundesstaaten Oaxaca, Guerrero und Puebla durchgeführt wurde. Das Projekt zielt darauf ab, Organisationen der Zivilgesellschaft zu stärken, um deren Anzahl und ihre Beteiligung an der öffentlichen Politik zu erhöhen. Ein halbes Jahr lang wurde Patricia im Rahmen eines Trainings geschult, welches sich an kleine gemeinnützige Organisationen und Kollektive richtete. Sie absolvierte das Programm erfolgreich.

Was ist ihre Rolle beim CIEM?
Ich bin eine Sprecherin. Meine Aufgabe ist es, für das Wohle aller zu sorgen, und wenn mir jemand mit einem Problem zu mir kommt, sage ich es dem Ausschuss und wir finden eine Lösung. Das Schwierigste ist, Lösungen zu finden, damit wir als Ausschuss vereint sind.

Was lernen Sie von Ihren Kolleg_innen?
Ich habe von ihnen und von unserem Training gelernt, toleranter zu sein und einander zuhören. Wir haben alle Probleme. Wenn sie zu dir kommen, dann, weil sie dir vertrauen. Das kommt deiner Arbeit zugute, weil du dich wohler fühlst. Wenn die Menschen toleranter wären, wären wir eine stärkere Gemeinschaft.

Worum ging es beim Training?
Friedensförderung. Mir fehlen die Worte, weil es so viele Dinge gab, über die ich nichts wusste. Zum Beispiel, was ein nachhaltiges Projekt ausmacht oder welche Unterstützung die Regierung bieten kann. Das Training machte einen großen Unterschied in meinem Leben. Von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags lernten wir von der Arbeit anderer Organisationen. Ich habe mehr Menschen kennengelernt. Ich bin zufrieden mit mir. Ich bin gesellig, aber ich geriet in Panik, in der Öffentlichkeit zu sprechen oder wenn ich nicht wusste, wie ich mich ausdrücken sollte. Jetzt habe ich keine Angst zu sprechen. Ich bin selbstsicherer.

Was ist Ihre größte Zufriedenheit?
Ich habe nicht nur meine Kolleg_innen unterstützt, sondern auch am Training teilgenommen. Als Recyclerin bin ich stolz auf meine Arbeit und auf mich, denn mit meiner Arbeit kann ich für meine Familie sorgen. Ich bin stolz darauf, dass ich für meine Kinder Schuhe kaufen und sie ernähren kann, dank des Mülls, dank meines Jobs. Wie ich meiner Mutter immer sage, hat mir der Müll viele Dinge gebracht, und ich habe mich selbst besser gemacht.

Mexiko recycelt und kompostiert weniger als 10% des gesamten Abfalls. Obwohl es in vielen Bundeslandgesetzen obligatorisch ist, ist es eine ungewöhnliche Praxis, Abfälle schon an der Quelle zu trennen. Die meisten Arbeiten werden von über 30.000 informellen Verwerter_innen durchgeführt, von denen 60% Frauen sind und landesweit häufig unter unsicheren Bedingungen arbeiten. Informelle Recycler_innen werden aufgrund ihrer Arbeit ständig diskriminiert.

Recycler_innen oder Müllsammler_innen?
Recycler_innen. Wir sind die wahren Ökologen, die möchten, dass die Menschen wissen, welche Rolle wir beim Umweltschutz spielen. Wir helfen ihnen, nicht so viel zu verschmutzen. In Zukunft hoffe ich, dass wir als Recycler_innen von CIEM anerkannt werden und Kinder an den Schulen unterrichten dürfen.

Was können Menschen tun, um zu Ihrer Arbeit beizutragen?
Trennen Sie ihren Müll und geben Sie ihn direkt dem CITRESO.

Noch weiteres, das Sie gerne teilen möchten?
Kommen Sie zum CITRESO und erfahren Sie, was wir wirklich tun. Ich wünsche mir, dass die CIEM-Organisation zumindest in unserer eigenen Gemeinde anerkannt wird, aber es fehlt uns an mehr Bekanntheit. Wir möchten auch, dass die Leute wissen, dass wir unseren Kompost produzieren. Ich mag es wirklich dort zu sein. Wenn die Leute wüssten, was wir tun, könnten wir unsere Bedingungen verbessern. Ich hoffe Sie verbreiten diese Nachricht!

Weitere Links zum Thema:

Mexiko - Gemüsegärten


 


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