„Wenn die Berge weinen, überfluten die Ebenen. Und wenn die Ebenen überfluten, hungern die Berge“, heißt es in nepalesischen Volksliedern. Die anspruchsvolle Topografie und die schlechte Infrastruktur prägen das Alltagsleben in weiten Teilen des Lands bis heute. Tiefebenen im Süden kontrastieren mit den hohen Bergketten des Himalayas. Viele Bergdörfer sind nicht an das Straßennetz angeschlossen und somit nur fußläufig zu erreichen.
Unsere Projektregionen in Westnepal stehen durch den Klimawandel und Naturkatastrophen vor besonderen Herausforderungen. Deshalb unterstützen wir die Gemeinschaften vor Ort bei der Umsetzung der folgenden Maßnahmen:
- Sensibilisierungsmaßnahmen stärken das Bewusstsein der Bevölkerung für den Klimawandel sowie für die dadurch verstärkten Risiken und Gefahren.
- Aufforstungsmaßnahmen beugen Erdrutschen vor. Flutschutzwände schützen bei Hochwasser und verhindern, dass wertvolle Anbauflächen weggespült werden.
- Klimaresistentere Landwirtschaft ermöglicht Familien ein verlässlicheres Einkommen.
- Wasserauffangteiche, Rohrsysteme und ein bewussterer Umgang mit Wasser fördern eine nachhaltige Wasserversorgung und beugen Erosion vor.
- Effizientere Öfen verbessern die Lebensqualität, reduzieren die Abholzung der Wälder und senken Emissionen.
- Die Ausrüstung sowie die Aus- und Weiterbildung lokaler Katastrophenschutzgruppen stärkt die Fähigkeit zur Bewältigung von Notfällen.
- Die Analyse lokaler Vulnerabilitäten und vorhandener Kapazitäten ermöglicht gezielte Präventions- und Schutzmaßnahmen.
Herausforderungen durch den Klimawandel in Westnepal
Die Bewohner*innen der Projektregion in Westnepal stehen vor großen Herausforderungen, denn ihre Region ist besonders anfällig für die Folgen des anhaltenden Klimawandels. In Bajura und Kalikot sind dies insbesondere Dürren, Überschwemmungen und die damit verbundenen Erdrutsche, Schlammlawinen und die Zunahme von Bränden. Nach Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Erdrutschen sind viele Bergdörfer wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Dann wird die Lage vor Ort besonders prekär: Es gibt kaum lokale Kapazitäten, um Hilfe zu leisten und Schäden zu beseitigen. Externe Hilfe gelangt nur sehr schwer und wenn, mit zeitlicher Verzögerung, in die Region.
Die Ernten der oft von Subsistenzlandwirtschaft lebenden Menschen reichen zumeist nicht mal mehr zum reinen Überleben. Viele Familien sind darauf angewiesen, Väter, Söhne oder Töchter als Saisonarbeitskräfte ins Ausland zu senden. Mit unserem lokalen Parter International Nepal Fellowship (INF) unterstützen wir die Menschen vor Ort bei der Entwicklung und Verbesserung von Nothilfe-Strukturen und dem Aufbau einer klimawandelresistenteren Landwirtschaft.
Schnelle Hilfe rettet Leben
Die ersten 48 Stunden nach einer Katastrophe sind die wichtigsten, um Menschenleben zu retten. Deswegen bauen wir gemeinsam mit den lokalen Gemeinde- und Distriktvertretungen Nothilfe-Strukturen auf. Denn die ersten Helfer*innen an einem Ort der Katastrophe sind immer die Betroffenen selbst. Sie müssen in der Lage sein, qualifiziert zu helfen.
Wichtige Projektbestandteile sind: Die Einrichtung von Einsatzzentralen und Notfalllagern, der Aufbau von administrativen Notfallstrukturen, die Etablierung eines Frühwarnsystems sowie die Ausarbeitung von Evakuierungsplänen. Mit Hilfe dieser Katastrophenschutz-Maßnahmen werden die Folgen von Extremereignisse wie Erdbeben oder Erdrutschen deutlich reduziert.
Aufbau und Stärkung von Katastrophenschutz-Gruppen
Lokale Katastrophenschutz-Gruppen sind eine wichtige Säule des Projektes. Diese sind ähnlich einer freiwilligen Feuerwehr organisiert und schulen ihre Mitglieder in regelmäßigen Trainings. Sie leisten im Katastrophenfall Erste Hilfe, bergen Verschüttete und verteilen Hilfsgüter. Die Stärkung dieser Gruppen ist ein wichtiger Baustein, um mit schneller, zielgerichteter Hilfe Menschenleben zu retten. Für ihre Arbeit werden sie mit dem grundlegenden Equipment und Werkzeug wie Schutzhelmen, Hacken, Sicherheitsband und vielem mehr ausgestattet.
Erkennen von Vulnerabilitäten und Entwickeln von Notfallplänen
Community Based Disaster Risk Management (CBDRM) ist ein Ansatz zur Analyse und zum Management von Katastrophenrisiken durch die lokalen Gemeinschaften. Eine wichtige Grundlage dafür sind sogenannte Vulnerability Capacity Assessments (VCA). In diesen VCA werden gefährdete Gruppen identifiziert, die potenziellen Katastrophenrisiken der lokalen Gemeinschaften ermittelt und welche bereits vorhandene Kapazitäten der lokalen Gemeinschaften erhoben. Anschließend werden auf der Grundlage der VCA Aktionspläne zur Vermeidung potenzieller Katastrophenrisiken erstellt und umgesetzt.
Teil davon sind Präventions- und Schutzmaßnahmen wie Flutschutzmauern, zum Schutz vor großen Wassermassen während der Regenzeit, oder das Aufforsten von Hängen, um Lawinen zu verhindern.
Effizientere Öfen verbessern die Lebensqualität und reduzieren die Wald-Abholzung und senken CO2 Emissionen
Die Mehrheit der Haushalte in den Gemeinden der Projektregion nutzt Brennholz als primären Brennstoff zum Kochen und Heizen. Viele von ihnen verwenden dafür traditionelle offene Feuerstellen. Zusammen mit unseren lokalen Partnern ermöglichen wir die Einführung energiesparenderen Öfen und Kochstellen, diese benötigen nur halb so viel Brennholz. Der so reduzierte Holzverbrauch wirkt sich auf vielfältige Weise positiv vor Ort aus.
Die Wohnungen sind weniger verrußt was zu weniger ‚Atemwegsbeschweren führt. Frauen und Mädchen, die traditionell fürs Holzsammeln zuständig sind, haben durchschnittlich eine halbe Stunde mehr Zeit am Tag. Erfahrungsgemäß nutzen sie diese zur Stärkung des Einkommens, zur Verbesserung der Kinderversorgung und zur Weiterbildung.
Der verringerte Holzschlag reduziert in Kombination mit Wiederaufforstungsmaßnahmen und nachhaltiger Forstwirtschaft reduziert die Bodenerosion und beugt Erdrutschen durch die Befestigung von Berghängen vor. Außerdem sinkt natürlich der CO2 Ausstoß.
Klimaresistente Landwirtschaft
Die meisten Menschen, die in den Gemeinden in der Projektregion leben, verdienen ihren Lebensunterhalt durch landwirtschaftliche Erzeugnisse. Aufgrund der traditionellen und auf Subsistenz ausgerichteten landwirtschaftlichen Praktiken ist die landwirtschaftliche Produktion jedoch gering und den Menschen fehlt es an Wissen und Fertigkeiten über verbesserte und klimaresistente Anbaumethoden. Darüber hinaus verfügen die Haushalte nur in begrenztem Umfang über Anbauflächen. Daher muss das verfügbare Land durch den Einsatz verbesserter und klimaresistenter Anbaumethoden optimal genutzt werden, um die Nahrungsmittelproduktion zu steigern.
Wir organisieren umfangreiche Schulungen für Familien von Kleinbäuer*innen. In diesen lernen sie an den Klimawandel angepasste Landwirtschaftsmethoden kennen. Mit einfachen, lokal verfügbaren Mitteln können die Familien ihr Haushaltseinkommen und die eigene Nahrungsmittelsicherheit deutlich steigern. Zu den Methoden zählen ein besseres Bodenmanagement und die Kultivierung von Pflanzen, die widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandel sind. Die Weiterverarbeitung von Rohstoffen vor dem Verkauf führt zu deutlich besseren Erlösen. Verbunden werden diese Maßnahmen mit dem Aufbau von Spar- und Selbsthilfegruppen. Diese verleihen Geld, um auf dörflicher Ebene Investitionen zu tätigen und neue Geschäftsideen zu entwickeln. Schulungen für Kleinst- und Kleingewerbetreibende in den Bereichen Buchhaltung und Vertrieb schaffen die Basis für nachhaltigen, wirtschaftlichen Erfolg und mehr Familieneinkommen. Ein gesteigertes Familieneinkommen senkt künftig die saisonale Migration von Familienmitgliedern.
Nachhaltige Wasserversorgung
Im Projektgebiet trocknen während der regenarmen Zeit die Wasserquellen aus, was zu einer signifikanten Wasserknappheit führt. Dann werden die Wege zum Wasserholen noch länger. Diese Aufgabe belastet vor allem Frauen und Kinder erheblich. Auch ohne Trockenheit müssen viele Haushalte durchschnittlich zwischen 15 und 60 Minuten laufen, um Wasser für den täglichen Bedarf zu holen.
Um diese Wege zu verkürzen, werden daher an zentralen Stellen Wasserzugänge durch ein Rohrsystem geschaffen. Moderne Wasserhähne tragen dazu bei, Bodenerosion durch unkontrolliertes Fließen von Wasser zu verhindern und erleichtern den Zugang zu fließendem Wasser erheblich.
Zusätzlich werden in den Wäldern der Zielgemeinden Wasserauffangteiche angelegt. Diese Teiche tragen dazu bei, das Grundwasser wieder aufzufüllen und so die langfristige Verfügbarkeit von Wasser zu gewährleisten. Wasserauffangteiche können lokale Ökosysteme unterstützen, indem sie stabile Wasserquellen oder Feuchtgebiete mit entsprechender Vegetation bereitstellen. Außerdem dienen sie dazu, Regenwasser zu sammeln und übermäßigen Oberflächenabfluss zu verhindern. Dadurch wird nicht nur das Grundwasser aufgefüllt, sondern auch die Bodenerosion durch Verlangsamung des Wasserflusses verringert.
Ergänz werden diese baulichen Maßnahmen durch Schulungen für die Mitglieder von Trinkwasserkomitees (DWUC´s) zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasserressourcen. Ziel dieser Schulung ist es, die Mitglieder der DWUC´s in den Bereichen Identifizierung, Bewertung, Planung, Bau, Reparatur und Wartung von Wasserquellen sowie Erhaltung der Wasserquellen in der Gemeinde zu schulen und mit dem notwendigen Diagnose- und Reparaturequipment auszustatten. So werden sie lokal unabhängig handlungsfähig.






















